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Bericht und Ergebnisse der „Ferry2Humanity“ – schwedisch-deutsche Jugendbegegnung zum Thema Inklusion von Geflüchteten

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Bericht

Di, 07.11.
Die schwedische Gruppe (10 Jugendliche im Alter von 18 bis 27 und eine Teamerin) begab sich am späten Nachmittag auf die Reise nach Mecklenburg-Vorpommern. Per Nachtfähre kamen sie am nächsten Morgen in Rostock an.

Mi, 08.11.
Am Vormittag traf die schwedische Gruppe während eines gemeinsamen Frühstücks auf die Gruppe aus Mecklenburg-Vorpommern (15 Jugendliche, 3 Teamer_innen und 2 Teamer für das integrierte Filmprojekt). Nach mehreren Kennenlern-Aktivitäten erfolgte der inhaltliche Einstieg mit einer Auseinandersetzung mit den Konzepten „Integration“ und „Inklusion“. Dabei zeigte sich eine klare Präferenz für die „Inklusion“, da es für ein gutes Miteinander notwendig ist, dass auch die Aufnahmegesellschaften einen Schritt auf die Neuangekommenen zugehen. Am Nachmittag folgte eine Podiumsdiskussion mit der Integrationsbeauftragten der Landesregierung, mit dem Sprecher vom Netzwerk der Migrant_innenselbstorganisation aus M-V und mit Vertreter_innen von „Rostock hilft“ und Ökohaus e. V., einem Betreiber von Gemeinschaftsunterkünften in Rostock. Die Teilnehmenden haben aus dieser Diskussion Motivation und Optimismus sowie konkrete Ansätze und Ideen mitgenommen, um sich für die Inklusion von Geflüchteten zu engagieren. Aufschlussreich war darüber hinaus die Aussage von zwei Diskutant_innen, dass in Mecklenburg-Vorpommern mehr betreute und selbstverwaltete Treffpunkte notwendig sind, in denen geflüchtete und einheimische Jugendliche zuander finden können und die für sie Anlaufpunkte in der Freizeit sind. Beendet wurde der erste Tag mit einer Stadtführung vom Jugend-, Sprach- und Begegnungszentrum und mit einem Besuch in der Boutique sans frontiérs von „Rostock hilft“.

Do, 09.11.

Am zweiten Programmtag stand der Austausch zwischen M-V und der Region Jönköping besonders im Mittelpunkt. Die Jugendlichen erarbeiteten am Vormittag Kurzpräsentationen zu ihren Regionen, wobei insbesondere Bevölkerungszahlen, politische Strukturen und die Situation von Geflüchteten zu den Inhalten zählten. Am Nachmittag wurden die Ergebnisse während der gemeinsamen Reise nach Schweden auf der Fähre in einem Konferenzraum präsentiert. Eine Diskussion zu verschiedenen Themen, welche die Jugendlichen auswählten, schloss sich dem an. Ein besonderes Highlight war für viele an diesem Tag sicherlich der Besuch auf der Brücke des Schiffs.

Fr, 10.11.
Der erste Tag in Jönköping stand im Zeichen der Themen berufliche Integration und Situation unbegleiteter Minderjähriger, wobei eine Jugendhilfeeinrichtung auch direkt besucht wurde. Kultureller und emotionaler Höhepunkt war ein Konzert mit Geflüchteten am Abend in einem großen, modernen Schauspielhaus.

Sa, 11.11.

Am Samstag erhielten die Teilnehmenden die Möglichkeit, die größte Menschenrechtskonferenz Skandinaviens zu besuchen. Dieses Angebot, welches sie mit großem Interesse annahmen, hat ihnen viele neue Sichtweisen, Informationen und Ideen gebracht. Nach ein wenig Freizeit im gut gefüllten Programm ging die inhaltliche Arbeit noch am Abend weiter. Mit Hilfe der Methode „Vom Problem zum Ziel“ wurden nun konkrete Ziele und Lösungsansätze zum Thema Integration entwickelt.

So, 10.11.

Am letzten Programmtag wurden zunächst die Ergebnisse des Vorabends präsentiert. Im Anschluss erfolgten Verabredungen dazu, wie man in Kontakt bleibt und mit verschiedenen Methoden wurde das Feedback der Teilnehmenden eingeholt. Nach einem letzten gemeinsamen Mittagessen reiste die deutsche Gruppe ab und kam ebenfalls per Nachtfähre am Morgen wieder in Rostock an.

Ergebnisse

Forderungen der Teilnehmenden:

  • Faire Verteilung von Macht und Ressourcen auf der Welt
  • Globale Verwirklichung von Demokratie, Menschen- und Frauenrechten sowie Chancengleichheit
  • Mehr Akzeptanz, Kommunikation und Austausch zwischen verschiedenen Menschen und Kulturen
  • Vermittlung dieser Werte ab der frühkindlichen Erziehung
  • Freie, für alle zugängliche Bildung sowie mehr soziale und politische Bildungsangebote
  • Mehr soziale und Freizeitangebote, die Geflüchtete einbeziehen, z. B. Action-Camps und Sprachtandems
  • Keine Abschiebungen in unsichere Länder wie Afghanistan
  • Höhere Bürgerorientierung und Menschlichkeit bei Amtsträger_innen
  • Lobbying für diese Ziele auf der politischen Ebene

Was konnten wir aus Schweden lernen?
Die Jugendlichen hatten den Eindruck, dass es in Schweden mehr Offenheit und Solidarität gegenüber Geflüchteten gibt – sicherlich eine Resultat der längeren Erfahrung mit Migration im Gegensatz zu Ostdeutschland. Darüber hinaus zeigte sich, dass die stärkere wohlfahrtsstaatliche Orientierung in Schweden auch Einfluss auf den Bereich Integration hat: Man gewann den Eindruck, dass es mehr kulturelle und soziale Angebote gibt, die Geflüchtete einbeziehen. Interessant ist darüber hinaus, dass die Altersgrenzen in der Jugendhilfe (auch für Geflüchtete) höher liegen als in Deutschland. So können die Jugendlichen in Schweden prinzipiell bis zum Alter von 21 in der Einrichtung bleiben, viele verlassen sie erst mit 23 oder sogar noch später. Nichts desto trotz sind auch in Schweden Abschiebungen nach Afghanistan ein Thema, welches bei Geflüchteten und Unterstützer_innen Besorgnis auslöst.

Zur Jugendbegegnung an sich ist zu sagen, dass während des gesamten Projektes ein intensiver Austausch zwischen schwedischen und deutschen, sowie zwischen einheimischen und geflüchteten Teilnehmenden stattfand. Obwohl wenig Zeit für Kennenlernen und Teambuilding vorhanden war, gab es eine vorbildliche Zusammen- und Mitarbeit und keine Vereinzelung nach Herkunft.

Das Projekt war gelebte Inklusion, zu der alle beigetragen haben.