Kreisjugendringes Vorpommern-Greifswald: Jugendhilfeplanung lässt politischen Gestaltungswillen vermissen

08.06.2017

Der Kreisjugendring Vorpommern-Greifswald e.V. (KJR VG) begrüßt die Beschlussfassung des Teilbereiches Offene Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit des Landkreises, äußert allerdings auch Kritik.

Der Kreisjugendring Vorpommern-Greifswald e.V. (KJR VG) begrüßt die Beschlussfassung des Teilbereiches Offene Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit des Landkreises. In seiner gestrigen Sitzung verabschiedete der Kreistag Vorpommern-Greifswald mit großer Mehrheit das 75-seitige Planungsdokument für den Zeitraum 2016-2021. Die Pläne für die Bereiche Kindertagesstätten, Hilfen zur Erziehung und Schulsozialarbeit wurden frühzeitiger vom Kreistag beschlossen.

"Wir sind froh, dass endlich eine kreisweite Bestandsaufnahme zur Offenen Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit vorliegt. Mehrere Anregungen vom Kreis- und vom Stadtjugendring sind im Planungsdokument wiederzufinden", schätzt Tino Höfert ein, der als jugendpolitischer Koordinator beider Jugendringe tätig ist. Die Jugendhilfeplanung zeigt Angebote und Bedarfe gegliedert nach Sozialräumen auf. Zudem werden Aussagen zu den vier Themenfeldern Nutzungssteigerung, mobile Jugendarbeit, Übergang Schule-Beruf sowie Kinderschutz getroffen. Von besonderer Bedeutung sind die aufgeführten Handlungserfordernisse auf Gemeinde-, Kreis- und Landesebene. "Der Kreistag hat sich zur langfristigen Finanzierung der Jugend- und Schulsozialarbeit bekannt. Das ist das richtige Signal an die Fachkräfte in den Jugendeinrichtungen und Schulen", so Höfert.

Nach Einschätzung des Kreisjugendringes ist jedoch auch Kritik angebracht:

"Man muss leider deutlich sagen: Aus fachlicher Sicht erfüllt die Jugendhilfeplanung nicht unsere Erwartungen. Die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen basiert auf einer Schülerbefragung, die methodisch ungenau war und im Jahr 2014 stattfand. Die Ergebnisse sind mehr als drei Jahre alt. Aktuelle Entwicklungen im Aufwachsen junger Menschen fanden kaum Berücksichtigung, beispielsweise das veränderte Mediennutzungsverhalten oder Freiräume zur Freizeitgestaltung", erklärt Höfert.

"Die Befragung bei Trägern ergab unter anderem, dass zusätzliche Angebote der mobilen und aufsuchenden Jugendarbeit benötigt werden, vor allem im ländlichen Raum. Hier braucht es mehr Personalstellen und neue Konzepte. Das Jugendamt sieht lediglich kostenneutrale Prüfaufträge vor. Das ist zu unverbindlich", kritisiert Höfert.

Aus Sicht des Kreisjugendringes lässt die Jugendhilfeplanung den politischen Gestaltungswillen vermissen.

"Jugendarbeit ist keine sogenannte 'freiwillige Leistung', sondern Pflichtaufgabe der der kommunalen Daseinsfürsorge. Das Planungsdokument zeigt klar und deutlich auf, dass die Bedarfe höher als die bestehende Angebotsvielfalt sind. Doch um mehr zu machen, muss auch mehr Geld in die Hand genommen werden. Nun stehen der Kreistag und der neu gewählte Jugendhilfeausschuss in der Verantwortung, die Vorschläge umzusetzen und eine auskömmliche Finanzierung der Jugendarbeit sicherzustellen", so Höfert.


Weitere Informationen:


Hintergrund
Der Kreisjugendring ist ein freiwilliger, überparteilicher Zusammenschluss von aktuell 32 Vereinen, Verbänden und freien Trägern im Landkreis Vorpommern-Greifswald. Zu den Aufgaben des Dachverbandes gehören die Interessenvertretung, Beratung, Fördermittelakquise, Weiterbildung und Netzwerkarbeit für ehren- und hauptamtliche Akteure aus verschiedenen Arbeitsfeldern der Jugendhilfe. Im Bereich Jugendpolitik arbeitet der Kreisjugendring eng mit dem Stadtjugendring Greifswald zusammen, unter anderem im Jugendhilfeausschuss und in der Planungsgruppe zur Jugendhilfeplanung.


Quelle. Pressemitteilung des Kreisjugendringes Vorpommern-Greifswald (KJR VG)