Designelement des LJR

Flucht und Europa

Der Hauptausschuss des Landesjugendringes M-V hat am 26. 09. 2016 beschlossen:

Niemand flieht aus der Heimat ohne Grund!

Durch die Arbeit und den Dialog mit Geflüchteten haben die Jugendverbände viele Fluchtursachen und persönliche Fluchtgeschichten erfahren. Die Menschen müssen aufgrund von Krieg und Gewalt, Diskriminierung, Unterdrückung, Verfolgung und gravierenden Menschenrechtsverletzungen, wirtschaftlichem und sozialem Elend und Verzweiflung und aufgrund von Krankheit sowie fehlender oder zerstörter Hilfsstrukturen in der Heimat fliehen. Sie schlagen den lebensgefährlichen und kräftezehrenden Weg nach Europa ein. Dieser ist geprägt von Verzweiflung, Gefahren durch Schlepperbanden, körperlicher, psychischer und sexueller Gewalt und dem Gefühl nicht willkommen zu sein.

Wir in Mecklenburg-Vorpommern stehen in der Verantwortung zu helfen, zu unterstützen und ihnen als Freund_innen zu begegnen. Europa und auch Mecklenburg-Vorpommern tragen zu den weltweiten Konflikten bei. Durch direkte Waffenexporte, wirtschaftliche Interessen in der Montanindustrie und unserem maßlosen Ressourcenverbrauch sowie die Zerstörung von Ökosystemen entziehen wir vielen Menschen die Lebensgrundlagen. Wenn nicht aus Solidarität, Menschlichkeit, Nächstenliebe und eigenen Fluchterfahrungen sollten wir aus sachlichen, ökonomischen und vernunftorientierten Gründen die Geflüchteten willkommen heißen und ihnen Hilfe anbieten. Jede_r Einzelne kann zur Veränderung beitragen!

Daher fordern wir von der EU und von der Bundesregierung:

  • die Neuausrichtung der Migrations-, Integrations- und Asylpolitik, weg von der Abwehrpolitik hin zu einer Willkommenskultur,
  • den sofortigen Stopp der Abschiebung von Kindern und Jugendlichen
  • die Schaffung familienerhaltender Maßnahmen, um die Entwicklung junger Menschen zu fördern
  • Menschen die gefahrenfreie und legale Einreise in die EU sowie eine menschenwürdige Unterbringung und Versorgung zu ermöglichen
  • Einführung von transparenten und fairen Asylverfahren und Verteilungsquoten für die geflüchteten Menschen sowie eines solidarischen Lastenausgleiches innerhalb der europäischen Union
  • Mehr qualifiziertes Personal zur Prüfung der Anträge bereitzustellen, um lange Wartezeiten zu verhindern sowie die Etablierung von unabhängigen Strukturen zur qualifizierten rechtlichen Beratung der Geflüchteten
  • einen festen Aufenthaltsstatus für Schüler_innen, Auszubildende und deren Familien (keine Kettenduldungen),
  • eine Verbesserung der medizinischen und psychologischen Versorgung von Geflüchteten
  • eine gesetzliche Gleichstellung von jungen Menschen unabhängig von ihrer Herkunft


Insbesondere fordern wir von der neuen Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern:

  • fester Aufenthaltsstatus aller Geflüchteten und deren Familie welche schon länger als fünf Jahre in MV ohne Anerkennung leben
  • Strategien zur Verbesserung der Teilhabechancen für in M-V lebende geflüchtete Menschen zu entwickeln
  • Mobilität für Geflüchtete durch Zugang zum ÖPNV zu erleichtern, sowie Orte für Unterkünfte so zu organisieren, dass eigenständige Mobilität ermöglicht wird
  • die Jugendverbände durch die Bereitstellung von zusätzlichen personellen und finanziellen Ressourcen in die Lage zu versetzen, Angebote speziell für junge Geflüchtete zu konzipieren und durchzuführen
  • das Recht auf Arbeit auch für Geflüchtete vollumfänglich zu gewähren
  • ehrenamtliches Engagement für Willkommenskultur und Integration vor Ort finanziell zu unterstützen und Partizipationsmöglichkeiten für Migranten/-innen zu verbessern.
  • die Gemeinden in M-V in die Lage zu versetzen, eigene und sozialraumbezogene Konzepte zu entwickeln, um die Integration und Teilhabe vor Ort und im Umland zu ermöglichen.