Designelement des LJR

Die Bedeutung der Juleica für die Jugendverbandsarbeit und das bürgerschaftliche Engagement

Ein wesentlicher Bestandteil der gesetzlich im SGB VIII verankerten Kinder- und Jugendhilfe ist die Jugendverbandsarbeit.

Als grundlegende Prinzipien nennt der Paragraf 12 des KJHG, dass in Jugendverbänden Jugendarbeit selbst organisiert, gemeinschaftlich gestaltet und verantwortet wird. Zusätzlich zu diesem Lern-, Erfahrungs- und Lebensraum sollen Jugendverbände die Interessen und Anliegen junger Menschen zum Ausdruck bringen und vertreten.

Damit verankert der Paragraf 12 KJHG zwei wesentliche Merkmale, welche die Jugendverbandsarbeit von der Arbeit anderer Trägern der Kinder- und Jugendhilfe unterscheidet:

  1. In Jugendverbänden findet selbstorganisierte Jugendarbeit statt.
  2. Jugendverbände haben die Aufgabe, Interessen junger Menschen politisch und gesellschaftlich zu vertreten.

In Mecklenburg-Vorpommern engagierten sich 2009 in 22 Jugendverbänden auf der Landesebene etwa 3.302 Ehrenamtliche, die etwas mehr als 2.376 Angebote selbstorganisiert und freiwillig planten, umsetzten und nachbereiteten. Diese 22 Landesjugendverbände vertreten nahezu 200.000 Mitglieder.

Jahr Mitgliederzahl neue Mitglieder neue Ortgruppen geschlossenen
Ortsgruppen
2008 202.578 3.242 27 37
2009 200.633 3.556 23 12


Die folgende Übersicht verdeutlicht, dass die Entwicklung der Mitgliederzahlen in den Landesjugendverbänden in Mecklenburg-Vorpommern einen anderen Verlauf nimmt, als die Entwicklung der Anzahl der zehn- bis 26-jährigen. 2008 gab es ca. 110.000 Kinder und Jugendliche weniger als noch 2001 (Quelle: Statistisches Landesamt MV). Die Mitgliederzahlen der Jugendverbände sanken aber nur um ca. 25.000 junge Menschen. Die jährlichen Daten, die der Landesjugendring M-V von seinen Mitgliedsverbänden erhebt, belegen diese Entwicklung.

Zur kontinuierlichen Arbeit eines jeden Landesjugendverbandes gehört die Mitgliederwerbung, -gewinnung und -betreuung. Um allerdings diesen Bereich der Personalentwicklung mit immer neuen Aktionen, Projekten und Angeboten zu beleben, werden gefestigte Strukturen auf der Landesebene benötigt, die professionell (vorrangig hauptamtlich) besetzt sein müssen. Dies ist eine wesentliche Bedingung, um qualitativ hochwertige Jugendverbandsarbeit mit relativ konstanten Mitgliederzahlen zu verstetigen.

Jugendverbände bieten jungen Menschen Räume, in denen sie ihre eigenen Ideen entwickeln und umsetzen können. Gelingt es Jugendverbänden diese Botschaft gekoppelt mit dem Verbandsprofil an junge Menschen heranzutragen, dann wirkt sich das positiv auf die Mitgliederzahlen aus.

 Grafik

Jugendverbände werden auch künftig ihre Bedeutung für junge Menschen nicht verlieren. Selbstorganisierte und ehrenamtliche Strukturen sowie zahlreiche freiwillig Aktive bilden das Fundament eines jeden Jugendverbandes. Um diese Arbeit qualitativ gut leisten zu können, wurde 1998 die bundesweite Jugendleiter/-innen-Card (Juleica) eingeführt. Damit wurde die Juleica zur Basis der Qualitätssicherung der Arbeit der Ehrenamtlichen [1] und freiwillig Aktiven in der Kinder- und Jugendarbeit.

Die Juleica steht für eine hochwertige Qualifizierung von Jugendleiter/-innen und weist aus, dass der Inhaber der Card eine ausreichende praktische und theoretische Qualifizierung für die Aufgabe als Jugendleiter/-in erhalten hat und in der Lage ist, verantwortlich Aktivitäten mit Kindern und Jugendlichen zu gestalten, z. B. das Leiten einer Gruppe oder das Durchführen von Veranstaltungen. Seit 1998 wurden insgesamt ca. 318.300 Card ausgestellt und im September 2008 waren deutschlandweit 104.350 Cards gültig. 79 Prozent der Inhaber dieser Cards waren jünger als 30 Jahre (Stand: 09/2008 [2]). Damit steht die Juleica für engagierte junge Menschen, die ehrenamtlich und gut ausgebildet in der Kinder- und Jugendarbeit tätig sind.

Die DJI-Jugendverbandserhebung [3] verdeutlicht, dass die Schulungen zur Juleica ein wesentliches Standbein für die Jugendverbände sind, um ihre Mitarbeiter/-innen fort- und weiterzubilden. 70 Prozent der befragten Verbände gaben an, dass sie Juleica-Schulungen für ihre ehrenamtlichen Mitarbeiter/-innen durchführen und 14 Prozent bieten sie für ihre hauptamtlichen Mitarbeiter/-innen an.

Der Deutsche Bundesjugendring (DBJR) entwickelte die Juleica gemeinsam mit den Bundesländern in den letzten Jahren weiter. Ergebnisse dieser Weiterentwicklung sind die seit September 2009 geltenden bundesweit einheitlichen Qualitätsstandards für die Beantragung und Grundausbildung, ein neues Online-Beantragungsverfahren und ein neues Kartendesign. Die Juleica als bundesweit anerkannte, amtliche Legitimation und als Qualitäts- und Qualifizierungsnachweis für ehrenamtliche Tätigkeit in der Jugendarbeit wurde somit gestärkt. Mit der Vereinigung von Qualifizierung, Anerkennung und Legitimation in einer Card, grenzt sich die Juleica klar von anderen bestehenden Ehrenamts-Cards ab. Aus diesem Grund werden die 22 Mitgliedsverbände des Landesjugendrings M-V mit ihren ca. 200.000 Mitgliedern weiterhin die Juleica als den Qualifizierungsnachweis für Ehrenamtliche im außerschulischen Bereich stärken und unterstützen.

Jugendliche zerren an einem Transparent

Mit diesem Grundverständnis der Juleica ist allerdings der Einsatz der Card für Betreuer/-innen von Freizeiten noch nicht ausreichend begründet. Die Grundausbildung kann durchaus als Qualifizierungsmodul zur Vorbereitung von Freizeitbetreuern/-innen auf ihre Tätigkeit genutzt werden. Die Juleica kann aber für die genannte Personengruppe nicht beantragt werden, wenn der Einsatz als Freizeitbetreuer nicht mit einer kontinuierlichen ehrenamtlichen Tätigkeit verbunden ist. Diese ehrenamtliche Tätigkeit ist eine von drei Voraussetzungen für die Beantragung der Card.

Die ehrenamtliche Tätigkeit verbindet den Inhaber mit einer Struktur, mit einem Verein, oder einem Jugendverband. Jede Organisation, die mit Juleica-Inhabern/-innen arbeitet, sollte sich über deren Potenzial bewusst sein und diese gezielt und individuell fördern und begleiten. Hier sind geeignete Methoden und Begleitverfahren zu entwickeln, damit die Inhaber kontinuierlich betreut und begleitet werden können.

Im September 2009 vereinbarten die Obersten Landesjugendbehörden bundeseinheitliche Qualitätsstandards, die eine bundesweite Vergleichbarkeit bzw. Gleichwertigkeit herstellen und somit die Qualität dieses bundesweiten Nachweises erhöhen. Auf Grundlage dieser Standards wird in Mecklenburg-Vorpommern die Weiterentwicklung der Juleica vom Landesjugendring M-V vorangetrieben.

Qualifikation
Die sehr umfangreiche praktische und theoretische Grundausbildung soll die Jugendgruppenleiter/-innen auf ihre Arbeit vorbereiten, indem sie folgende Inhalte laut den bundesweit geltenden Standards in 30 Zeitstunden mindestens vermittelt:

  • Aufgaben und Funktionen des Jugendleiters/-in und Befähigung zur Leitung von Gruppen,
  • Ziele, Methoden und Aufgaben der Jugendarbeit,
  • Rechts- und Organisationsfragen der Jugendarbeit,
  • psychologische und pädagogische Grundlagen für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen,
  • Gefährdungstatbestände des Jugendalters und Fragen des Kinder- und Jugendschutzes.


Ein wesentliches Kennzeichen der Schulungen ist, dass sie die Interessen der Teilnehmer/-innen sowie ihre aktive Beteiligung in den Mittelpunkt rücken. Über eine gruppenorientierte und teilweise auch ergebnisoffene Arbeit wollen gerade die Schulungskonzepte der Jugendverbände die persönliche Auseinandersetzung mit den Schulungsthemen fördern, um somit individuelle Bildungsprozesse anzustoßen. Damit wird die Ausbildung der non-formalen Bildung zugeordnet, die außerhalb von Schule stattfinden sollte. Die Juleica steht für Qualifizierung im Ehrenamt und deshalb ist es für Jugendliche wichtig, die Ausbildung in ihren eigenen Organisationen durchzuführen, da dort verbandliche Identität gelebt wird. Außerdem ist Jugendlichen die Ausbildung in der Gruppe wichtig, der sie sich zugehörig fühlen.

Gruppe steht um ein Plakat was auf dem Boden liegt

Anbieter von Schulungen können die bundesweiten Standards als Orientierungspunkte nehmen und sie mit ihrer eigenen Philosophie anreichern. Ausgehend von ihrem eigenen Bildungsverständnis sollten Träger der Ausbildung sich bewusst machen, warum sie die Schulung anbieten und wen bzw. auch für wen sie ausbilden. Daraus folgernd sollten die inhaltlichen Schwerpunkte festgelegt und mit Methoden angereichert werden.

Die Träger der Grundausbildungen sollten das erlernte Wissen sowie die erworbenen Kompetenzen den Jugendlichen in einer qualifizierten Teilnahmebescheinigung bestätigen. Die jungen Menschen üben ihr Engagement zunehmend interessenbezogen aus, um sich durch ihr Engagement zusätzlich beruflich verwertbare Qualifikationen und Kompetenzen anzueignen. Das zeigen auch die ersten Ergebnisse des 3. Freiwilligensurveys. [4]

Legitimation
Die Card dient ihren Inhabern als Legitimation gegenüber Erziehungsberechtigten, öffentlichen Stellen, möglichen Vertragspartnern und zeigt damit an, dass der Inhaber mit der Gruppe gezielt unterwegs ist bzw. die Veranstaltung gezielt durchführt. Somit steht hinter dem Inhaber eine Organisation, in dessen Auftrag er unterwegs ist und die ihn bewusst mit dieser Aufgabe betraut hat. Die Card weist deutlich aus, dass der Inhaber durch eine Ausbildung sowie seine persönliche Eignung als befähigt befunden wurde, sein Ehrenamt auszuüben.


Anerkennung
In der Anerkennungskultur gibt es Überschneidungen mit anderen Ehrenamtskarten. Auch viele andere Cards sollen dazu beitragen, die Arbeit der Ehrenamtlichen zu würdigen. Ein wichtiger Bestandteil dieser Würdigungen sind die sogenannten Vergünstigungen als Dankeschön für die geleistete Arbeit. Mit der Juleica sollen gezielt Vergünstigungen genutzt werden können, die die Gruppenarbeit der Inhaber/-innen erleichtern. Vergünstigungen im Zusammenhang mit der Juleica werden also nicht nur als persönliches Dankeschön aufgefasst, sondern auch als Arbeitserleichterung. Außerdem kann ein Juleica-Inhaber deutschlandweit Vergünstigungen in Anspruch nehmen. Hier scheint wieder eine deutliche Abgrenzung zu anderen Cards vorzuliegen.

Jugendliche auf einer Bühne mit Mikrofonen

Eine umfassende Anerkennung kann aber nicht nur aus Vergünstigungen bestehen. Wichtig ist, dass eine gesellschaftliche Anerkennungskultur entwickelt wird, die sich inhaltlich und methodisch auch an die unter 30-jährigen richtet, da ca. 83 Prozent [5] der Inhaber der Juleica dieser Altergruppe zu zuordnen sind. Damit muss eine öffentliche Wahrnehmung und Würdigung von jungem Ehrenamt auch in Mecklenburg-Vorpommern einhergehen.

Schul-, Bildungs- und Ehrenamtsfreistellungen erleichtern zusätzlich das ehrenamtliche Engagement, wenn die gesetzlichen Regelungen mit dem Arbeitsbedingungen bzw. Rahmenbedingungen des Ehrenamtes kompatibel sind und freimütiger für ehrenamtlich Engagierte gewährt werden. Alle drei Freistellungsarten sollten daher einmal "mit der Brille der Juleica gelesen" und dann vielleicht auch überarbeitet werden.

Die Anerkennung der Ehrenamtlichen muss aber auch durch hauptamtliche Unterstützungsstrukturen erfolgen, soweit diese vorhanden sind. Das "Hauptamt" kann Ehrenamtliche begleiten, beraten und motivieren. Hauptamtliche können auch unliebsame Aufgaben, wie z. B. das Beantragen von Geldern und deren Abrechnung, den Schriftverkehr und Ähnliches abnehmen. Wichtig ist jedoch, dass Ehrenamt begleitet werden muss und daraus auch Anerkennung und Wertschätzung erfährt.

Und manchmal genügt auch einfach nur ein Dankeschön.

Weiter >> Bundeseinheitliche Regelungen für die Juleica


[1] Die in diesem Text verwendete Bezeichnung "Ehrenamtliche" umfasst alle Aktiven. Sie begrenzt sich nicht nur auf die berufenen bzw. gewählten Ehrenamtlichen.

[2] Quelle: Datenbank des Deutschen Bundesjugendringes zu den Jugendleiter/-innen mit einer Juleica (Stand September 2008); zusammengestellt und berechnet von der Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik – http://www.juleica.de/uploads/media/Juleica_Statistik2008_01.pdf

[3] Deutsches Jugendinistitut – http://www.dji.de/bibs/64_11664_Jugendverbandserhebung2009.pdf

[4] Quelle: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

[5] Quelle: Datenbank des Deutschen Bundesjugendringes zu den Jugendleiter/innen mit einer Juleica (Stand September 2008); zusammengestellt und berechnet von der Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik – http://www.juleica.de/uploads/media/Juleica_Statistik2008_01.pdf