Designelement des LJR

Vereinbarung zur Jugendleiter/-innen-Ausbildung in Mecklenburg-Vorpommern

Seit dem 1. Januar 2010 gilt für die Ausbildung von Jugendleiter/-innen und zur Ausstellung der Jugendleiter/-innen-Card (Juleica) in Mecklenburg-Vorpommern eine Vereinbarung, die zwischen dem Ministerium für Soziales und Gesundheit  M-V und dem Landesjugendring M-V abgeschlossen worden ist.Grundlage der Vereinbarung sind die Standards zur Jugendleiter/-innen-Ausbildung, die die Obersten Landesjugendbehörden (AGJF) am 17./18. September 2009 beschlossen haben. Die Vereinbarung für Mecklenburg-Vorpommern regelt die Ausbildung für Jugendgruppenleiter/-innen und die Ausstellung der Juleica und ermächtigt den Landesjugendring zur Umsetzung entsprechende Verträge mit Trägern der freien und öffentlichen Jugendhilfe abzuschließen.

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1. Verträge zur Grundausbildung von ehrenamtlich Tätigen

Die anerkannten freien und die öffentlichen Träger der Jugendhilfe, die Grundausbildungen für Jugendleiter/-innen durchführen, verpflichten sich in einem Vertrag mit dem Landesjugendring, Standards einzuhalten, die in der Vereinbarung mit dem Sozialministerium festgelegt worden sind.

1.1. Ziele und Grundsätze
Ziel der Grundausbildung ist es, ehrenamtlich Tätige zu befähigen, Jugendliche und Kinder über einen längeren Zeitraum selbstständig zu leiten und zu begleiten. Hierzu müssen ehrenamtlich Tätige in der Lage sein:

  • Gesetzmäßigkeiten und gruppendynamische Prozesse zu erkennen,
  • Lernvorgänge in Gruppen anzuregen,
  • rechtliche Rahmenbedingungen der Jugendhilfe zu kennen und nach ihnen zu handeln, die eigene Leitungsrolle einzuschätzen und
  • sich mit verbandsspezifischen oder jugendpolitischen Themen und Inhalten auseinander zu setzen.


1.2. Inhalte der Grundausbildung
Nachfolgende pädagogische und psychische Grundlagen für die Jugendarbeit sind in der Grundausbildung zu vermitteln:

  • Kenntnisse über die Leitung von Jugendgruppen (z.B. über Kontaktaufnahme zu Gruppen, Gruppenphasen, Leiterverhalten, Teamarbeit und Motivierung von Gruppen),
  • Kenntnisse über die psychische und physische Entwicklung von Kindern und Jugendlichen, die Bedeutung der Familie sowie die sich daraus ergebenen pädagogischen Konsequenzen, Kenntnisse über Methoden in den Bereichen der Gruppenarbeit, Spielpädagogik, Freizeit- und Seminararbeit und Beratung,
  • Kenntnisse in Kommunikation und Gesprächsführung,
  • Gefährdungstatbestände des Jugendalters und Fragen des Kinder- und Jugendschutzes,
  • Kenntnisse der Methoden der Partizipation und Demokratieerziehung.


Nachfolgende Grundlagen zur Organisation von Jugendarbeit sowie des Projektmanagements müssen in der Grundausbildung vermittelt werden:

  • Kenntnisse über die Finanzierungs- und Förderungsmöglichkeiten,
  • Ziele, Methoden und Aufgaben von Jugendarbeit,
  • Grundsätze und Arten von Versicherungen,
  • das Erkennen von Bedarfen und der Bedeutung der Öffentlichkeitsarbeit in der Jugendarbeit, Jugendsozialarbeit und des erzieherischen Kinder- und Jugendschutzes.

Nachfolgende Kenntnisse über Rechtsgrundlagen müssen in der Grundausbildung vermittelt werden:

  • Recht der natürlichen Personen,
  • Aufsichts- und Haftungsrecht,
  • Jugendschutzbestimmungen,
  • Sexualstrafrecht,
  • Veranstaltungsrecht,
  • Sachschutz,
  • Urheberrecht,
  • weitere rechtliche Bestimmungen, die in der Praxis der Jugendarbeit, Jugendsozialarbeit und des erzieherischen Kinder- und Jugendschutzes des jeweiligen Jugendhilfeträgers von Bedeutung sein können (z.B. Naturschutz oder Medienrecht).


Jugendleiter/-innen müssen in der Grundausbildung auch befähigt werden, Gruppen in besonderen Problemlagen zu leiten bzw. zu begleiten. Hierzu zählen beispielsweise Kenntnisse über:

  • Gruppenkonflikte und den Umgang mit Aggressions- und Gewaltphänomenen,
  • deeskalierendes Leiterverhalten,
  • akute Gefährdungen junger Menschen durch Stoffe, Handlungen oder Organisationen.

Eigene Erfahrungen der ehrenamtlich Tätigen aus der Arbeit mit Gruppen müssen bei der Grundausbildung berücksichtigt werden. Neben der Vermittlung von Inhalten ist das bewusste Erleben von gruppendynamischen Prozessen notwendig. Die ehrenamtlich Tätigen sollen sich konkret mit ihrer Rolle als Gruppenmitglied und Jugendleiter/-in sowie den Unterschied dazwischen vertraut machen und Gelegenheit haben, sich selbst zu erfahren. Weitere Themen der Grundausbildung können sein: Reflexion über Geschlechterrollen und Gender Mainstreaming, Migrationshintergrund und interkulturelle Kompetenz sowie internationaler Jugendaustausch.

1.3. Umfang und Bescheinigung

Die Grundausbildung muss zusätzlich einen  "Erste-Hilfe-Kurs" enthalten. Hierfür muss ein lizenzierter Bildungsträger herangezogen werden. Der Umfang darf 12 Zeitstunden (entsprechend 16 Schulungseinheiten) nicht unterschreiten. Ohne diesen „Erste-Hilfe-Kurs“ darf die Grundausbildung zum/zur Jugendleiter/-in 35 Zeitstunden nicht unterschreiten. Nach Abschluss der Grundausbildung erhalten die Teilnehmer/-innen eine Bescheinigung über die erfolgreiche Teilnahme und die erworbenen fachlichen Befähigungen.


2. Verträge zur Beantragung und Genehmigung von Jugendleiter/innen-Cards

Die Träger, mit denen ein entsprechender Vertrag abgeschlossen wurde und die zum Onlineantragsverfahren der Juleica freigeschaltet worden sind, haben das Recht, Gruppenanträge zur Ausstellung von Juleicas online zu beantragen sowie Anträge von Jugendleiter/-innen online freizuschalten. Dabei verpflichten sich die Träger, folgende Punkte zu beachten:

  1. Die Card ist für ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Jugendarbeit bestimmt. Sie kann auch für neben- und hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausgestellt werden, soweit sie wie Jugendleiterinnen und Jugendleiter tätig sind.
  2. Voraussetzung ist, dass die/der Jugendleiter/-in in dieser Eigenschaft im Sinne des § 73 SGB  VIII für einen Träger der freien Jugendhilfe oder für einen Träger der öffentlichen Jugendhilfe tätig ist.
  3. Die Inhaberin bzw. der Inhaber der Card muss eine ausreichende praktische und theoretische Qualifizierung für die Aufgabe als Jugendleiter/-in erhalten haben
  4. Zusätzlich ist der Nachweis ausreichender Kenntnisse in Erster Hilfe im Umfang des „Erste-Hilfe-Lehrgangs“ (12 Zeitstunden) nachzuweisen.
  5. Die Inhaberin bzw. der Inhaber der Card soll in der Regel das 16. Lebensjahr vollendet haben.
  6. Für die Verlängerung der Juleica ist die Teilnahme an einer oder mehreren Fortbildungsveranstaltungen im Umfang von mindestens acht Zeitstunden nachzuweisen.


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