Designelement des LJR

Plan B! Beteiligung wird großgeschrieben

Ziel des Projektes: 

  • Kinder- und Jugendpartizipation

Zielgruppe:  

  • Teilnehmende zwischen 6 und 18 Jahren

Projektlaufzeit:  

  • März-Dezember 2009

Methoden: 

  • Seminar-Camps, Beteiligungshaushalt, Entwicklung und Anwendung eines Demokratiemodells

Kooperationspartner:  

  • Schweriner Jugendring e.V.
  • die Beteiligungswerkstatt des Landesjugendring M-V e.V.
  • Bauspielplatz Schwerin e.V.
  • Jugendamt Schwerin
  • Deutscher Bundesjugendring

Ausgangspunkt:

In Schwerin wird die Jugendarbeit sozialräumlich neu gestaltet. Dazu wurden Trägerverbünde in den drei Planungsbezirken geschaffen. Dabei soll ein Schwerpunkt auf der Beteiligung von Kindern und Jugendlichen liegen. Mit unserem Projekt wollten wir Kinder und Jugendliche dazu ermutigen, sich für ihre Rechte auf kommunaler und Landesebene lautstark einzusetzen, neue Beteiligungsinstrumente auszuprobieren und einzuüben. Damit sollte der innerverbandliche Anspruch an eine Demokratisierung aller Lebensbereiche in die Praxis transportiert werden.

Ziel:

Ziele des Projektes waren das Ausprobieren eines Beteiligungshaushaltes, die Erstellung eines Demokratiemodells mit den Teilnehmenden im Vorfeld des Sommercamps und der Transport der Ergebnisse des Prozesses in den öffentlichen Raum.  

Erreichte Zielgruppe:

Die Teilnehmenden in unserem Projekt waren zwischen 6 und 18 Jahre alt. Trotz einer leicht höheren Anzahl von weiblichen Teilnehmenden, war das Verhältnis zwischen männlichen und weiblichen Teilnehmenden annähernd ausgeglichen. Es gab ungefähr 10 % Teilnehmende mit Migrationshintergrund im Projekt. Die Schwerpunktsetzung in der Werbung für die russisch-sprachige Community auf dem Dreesch hat leider nicht so richtig funktioniert. Aus dieser Migrantencommunity gab es keine Anmeldungen.  

Verlauf:

Das Projekt begann mit einem Mini-Camp über Himmelfahrt. Hier waren 15 Kinder und 4 Helfende vier Tage lang unterwegs, um gemeinsam Ideen und Anregungen für das Sommercamp, den Beteiligungshaushalt und das Demokratiemodell zu entwickeln. Im Anschluss traf sich das Zeltlagerteam an vier weiteren Vorbereitungswochenenden, um das Demokratiemodell weiterzuentwickeln und das Zeltlager entsprechend vorzubereiten. Im Mai 2009 wurde das Projekt durch das Team im örtlichen Jugendhilfeausschuss vorgestellt und auf dem Jugendhilfekongress M-V u.a. vor MitarbeiterInnen des Landesjugendamtes präsentiert. Vom 2.-22.08. fand das dreiwöchige Sommerzeltlager in Hagenwerder bei Görlitz statt. Hier wurden Beteiligungshaushalt und Demokratiemodell kontinuierlich in der Praxis ausprobiert. Im September 2009 gab es ein großes Nachbereitungstreffen mit 60 Teilnehmenden, auf dem Erfahrungen und Ergebnisse des Sommerzeltlagers ausgetauscht wurden und Planungen für 2010 entstanden. Ende Oktober konnte das Projekt sowie das Feedback vom Team und von den Teilnehmenden auf einer Trägerkonferenz im Trägerverbund I der Stadt Schwerin vorgestellt werden.

Ausblick auf das Projekt:

Die geplante Höhe des Beteiligungshaushaltes musste leider durch einen Rückgang der Fördermittel für das Sommercamp 2009 reduziert werden, so dass sich nicht die volle Höhe des angestrebten Beteiligungshaushaltes umsetzen ließ. Trotz der Kürzungen hat der Beteiligungshaushalt und die konkrete Beteiligung von Kindern und Jugendlichen über dieses Instrument funktioniert. Die Teilnehmenden haben Verantwortung übernehmen und Entscheidungen treffen müssen. Dazu wurden sie ermutigt und angeleitet. Sie konnten erleben, dass auch Kinder und Jugendliche verantwortungsvoll mit Geld umgehen können. Sie erlernten demokratische Handlungsweisen und bekamen die Möglichkeit, sich nach ihren Fähigkeiten und Wünschen entsprechend einzubringen. Die Auswirkungen des eigenen Engagements und der eigenen Entscheidungen wurden erfahrbar gemacht.   Es ist daher aus unserer Sicht nicht notwendig, Ziele für unser Projekt neu zu formulieren. Es muss darauf hingewirkt werden, dass die für eine gelingende Beteiligung notwendigen Mittel bereitgestellt werden. Es muss jedoch beachtet werden, dass neu entwickelte Methoden wie das Demokratiemodell einer ausgiebigen Testphase bedürfen. Da ein vorheriger Praxiseinsatz nicht möglich war, hat sich das Ausprobieren als Planspiel bewährt.  

Erkenntnisse zum Demokratiemodell:

Kinder und Jugendliche sollen mehr in örtlichen Entscheidungen einbezogen werden. Sie leben im örtlichen Raum – und sie sollen auch mitgestalten können. Dass sie verantwortungsbewusst mit ihrem Gemeinwesen und mit Geld umgehen können, hat unser Projekt bewiesen. Diese Beteiligung muss von den Stadtvertreter_innen Schwerins, die den Prozess der Sozialraumorientierung angestoßen haben, und von den Vertreter_innen des örtlichen und überörtlichen Jugendamtes zugelassen werden. 

Spaß im Zeltlager

Demokratiemodell Sommerzeltlager 2009:

Durch das Mitbestimmungs- oder Demokratiemodell wird eine niedrigschwellige Partizipation der Teilnehmenden erreicht und schnell umsetzbare Entscheidungen werden erzielt. Das Demokratiemodell wurde auf den Vorbereitungstreffen entwickelt und mit einem Planspiel ausprobiert. Hier konnten noch Korrekturen eingearbeitet werden. Im Zeltlager selbst war das Demokratiemodell gekennzeichnet durch 1. tägliche Mitbestimmungsmöglichkeiten, 2. niedrigschwellige Formen der Meinungsäußerung, 3. ein demokratisches Delegationsprinzip. Probleme der Teilnehmenden wurden auf einer offenen Wand gesammelt. Die Punkte von der Wand wurden abends für die Gruppenstunden aufbereitet. Hier erfolgte bereits eine Vorauswahl, welche Punkte durch das Demokratiemodell lösbar waren bzw. welche nicht. Die nichtumsetzbaren Punkte wurden erklärt, um den Prozess so transparent wie möglich zu machen. In den Gruppenstunden am Morgen wurde in den Zeltgruppen eine Meinungsbildung zu den vor Ort lösbaren Punkten herbeigeführt. Dazu gab es ein Handout mit den entsprechenden Punkten und einer eventuellen Auswirkung auf den Beteiligungshaushalt. Jede Zeltgruppe entsendete einen Vertreter in den Lagerrat, um hier die Meinung der Zeltgruppe zurückzuspiegeln. Der Lagerrat hat aus den Problemen bzw. Punkten der Demokratiewand dann vier entscheidungsreife Fragen ausgearbeitet und Pro’s und Contra’s aufgelistet. Diese vier Fragen wurden über eine Vier-Ecken-Abstimmung in Form einer kurzen Vollversammlung vor dem Abendessen durch die anwesenden Teilnehmenden abgestimmt. Das Modell wurde mit den Teilnehmenden auf dem Nachbereitungswochenende ausgewertet. Aus den Auswertungen ergeben sich konkrete Verbesserungsvorschläge für Demokratiemodell und Beteiligungshaushalt innerhalb des Verbandes für das Zeltlager 2010. Der Beteiligungshaushalt wurde in der Nachbereitung nicht mehr in Frage gestellt, sondern ist von allen Teamenden als sinnvoll erachtet worden.

Beispielentscheidung Tagesausflug :

Ein Tagesausflug wurde von allen Gruppen gewünscht. Es wurden vier Alternativen herausgearbeitet: Görlitz, Dresden, Bautzen und Wroclaw. Für jede Entscheidung wurden die Kosten aufgeführt, die ein Gesamtlagerausflug verursachen würde. Die Teilnehmenden haben sich in den Zeltgruppen beraten und abends auf der Vollversammlung sich für den Tagesausflug nach Wroclaw entschieden .

Jugendliche im Zeltlager